
Um jetzt mal auf Dich einzugehen: bist Du selbst denn schon immer in dem Bereich Nachhaltigkeit unterwegs gewesen?
Ich habe mich schon immer für Stoffe und Bekleidung interessiert und habe Mode von der Pike auf gelernt. Ich habe zunächst eine Schneiderlehre gemacht und Schnittkurse belegt. Dann habe ich in Italien und danach an der UDK bei Westwood studiert und dann lange bei ihr gearbeitet. Das Studium bei Westwood hat mich sehr geprägt. Es ging überhaupt nicht um Trends und was heute aktuell ist, sondern vielmehr um die Frage nach der Quelle. Wann taucht ein Mode-Thema zum ersten Mal und in welchem Kontext auf und was bedeutet es.
Es ging um Schönheit, um Qualität, um eine Art Sinnhaftigkeit und Bedeutung. Ich habe das damals erkannt und darum geht es mir heute auch immer noch. Parallel zu meinem Job an der Uni habe ich ein Label gegründet und bei jeder Kollektion ein neues Thema entwickelt und viel dazu recherchiert. Es war sehr bereichernd das so anzugehen. Ich habe das für mich erkannt und versuche diese Qualität nachzuahmen und ins Heute zu übertragen, d.h. etwas zu designen, das wirklich Fundament hat anstatt nur darauf zu achten, was sich gut verkauft.
Meine erste Kollektion hieß Spaceship Earth und setzte sich mit Zukunftsvisionen auseinander. Hier liegen auch die Wurzeln für mein Engagement für Nachhaltigkeit. Ich dachte unsere Sachen sind doch gar nicht so, dass man sie so schnell wieder aus dem Kleiderschrank entfernt. Daher ist es doch sinnlos, so oft neue Kollektionen herauszubringen. Dieses Verlangen nach Produkten die mehr können hat mich eigentlich in die Nachhaltigkeit getrieben.
Von VW China kam dann auch noch ein Auftrag für eine Kollektion bei der es um ECO-Warrior und Nachhaltigkeit ging. Dort haben wir Solar Taschen, wie z.B. Messenger Taschen entwickelt. So hat sich das immer weiter entwickelt und mir wurde klar, dass ich genau in diese Richtung will. Heute sind mir neben Nachhaltigkeit auch andere Themen wie Qualität, Schönheit und Innovation wichtig.
Ich habe genau das Richtige für mich gefunden und bin überzeugt, dass ich damit auch wirklich etwas Positives bewirken kann!
Welche Tipps hast Du für jemanden der gerne auch in der nachhaltigen Mode arbeiten möchte?
Ich glaube man muss seine Leidenschaft und die eigenen Werte mit dem, was man tut verbinden. Das ist die beste Grundlage, um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Es gibt kein Patentrezept für das richtige Business Modell oder den richtigen Ansatz. Es muss wirklich für einen selbst stimmig sein und kann nicht von einer Firma auf die andere übertragen werden. Das kann auf den unterschiedlichsten Ebenen funktionieren.
Man muss auch nicht immer gleich eine ganze Kollektion machen, sondern sollte viel eher erst mal mit einer Produktpalette anfangen, die richtig gut ist. Das schafft auch einen viel besseren Überblick. Man kann recherchieren, wo etwas herkommt, wie es produziert ist und wer genau beteiligt ist. Die gesamte Herstellungskette ist viel transparenter.
Wie kann sich ein Konsument orientieren, der bewusst einkaufen will? Du meintest ja vorhin, dass ihr die Zusammenarbeit mit manchen Fabriken, die sogar GOTS zertifiziert waren, abgelehnt habt?
Ich würde Zertifikate wie GOTS, Fair Wear, Fair Trade oder C2C auf jeden Fall schon mal als Indikator nehmen. Was aber noch wichtiger ist, ist in den Geschäften nachzufragen, wo die Sachen herkommen und wie sie produziert werden. Wenn das konsequent gemacht wird, merken die Läden dass ein Interesse für dieses Thema besteht. Einige Firmen sind dahingehend sehr viel weiter als andere. Flipa K, haben z.B. einen Second Hand Laden und betreiben dort ein Leasing und Rücknahmesystem für ‘aussortierte Kleidung‘.
Kunden selbst sollten sich beim Einkaufen auch auf die Sachen konzentrieren, die sie wirklich brauchen. Wir haben über 20% im Kleiderschrank, die nie genutzt werden. Ein paar Basic-Teile in guter Qualität sind ein guter Anfang.
Hast Du da ein paar Beispiele wo man diese gute Qualität her bekommt?
